|
Für die Halbmastwurf (HMS)-Sicherung benötigen wir einen ausreichend großen Safelock-Karabiner. Bei diesem ist der Schnapper mit einer Hülse gesichert, die zum Öffnen in zwei Ebenen bewegt werden muss.

Unbedingt zu warnen ist vor HMS-Karabinern mit Bajonettverschluss (Twistlock), da dieser leicht vom vorbeistreifenden Seil geöffnet werden kann.

Die Bremswirkung der HMS-Sicherung wird vor allem durch die Seil-auf-Seil-Reibung am Karabiner erzielt.
Vorteile: Die Bremswirkung ist so hoch, dass die Handkraft der Sicherungsperson deutlich weniger beansprucht wird als bei der Tube. Deshalb ist die HMS-Sicherung für Anfänger und Personen mit weniger Handkraft besser geeignet.
Die Bedienung der HMS-Sicherung ist dennoch nicht einfach. Vor allem das korrekte Einziehen des Seils will gelernt sein, und auch das schnelle Ausgeben verlangt einiges an Übung.
Wie beim Sichern mit dem Grigri und der Tube gilt auch bei der Halbmastwurfsicherung, dass die Bremshand das Seil immer fest umschließen muss. Dabei liegt der Daumen stets auf dem ersten Glied des Zeigefingers, die Fingernägel drücken gegen den Handballen.

Seil-Einlegen
Rechtshänder klinken ihren HMS-Karabiner so in den Klettergurt, dass das schmale Ende des Karabiners im zentralen Sicherungsring platziert ist und der Schnapper mit dem Safelock-Verschluss aus der Perspektive des Sichernden nach links schaut. Bei Linkshändern weist der Schnapper nach rechts.

Nun legen wir die Halbmastwurfschlaufe so in den Karabiner, dass der zum Bremsen verwendete Abschnitt des Seils auf der dem Schnapper abgewandten Seite liegt.

Seil-Einnehmen
Nach dem Prinzip "Hände hoch!" halten wir bei der Halbmastwurfsicherung immer beide Hände oberhalb des Karabiners. Beide Hände müssen ihre jeweiligen Seile stets vollständig umfassen, und zwar so, dass die Daumen oben liegen und mit dem Zeigefinger einen geschlossenen Kreis bilden; dabei drückt der Daumen immer gegen die Kante des ersten Fingerglieds. Daumen und Zeigefinger "sind miteinander verheiratet!" Die Fingernägel der Bremshand drücken gegen den Handballen.

Beim Seil-Einnehmen bewegt die Führungshand den lockeren Anteil des zum Kletterer führenden Seils in Richtung Sicherungskarabiner während die Bremshand diesen Seilabschnitt durch den Karabiner nach oben zieht.

Sobald die Führungshand den Karabiner berührt, wechselt sie hinüber zum Bremsseil und fixiert es oberhalb des Karabiners.
Nun gleitet - "tunnelt" - die Bremshand mit geschlossener Daumen-Zeigefinger-Verbindung am Seil herunter zur Führungshand und übernimmt deren Haltefunktion. Auf diese Weise wird das Bremsseil abwechselnd von der einen, und dann von der anderen Hand festgehalten.

Dann greift die Führungshand wieder nach oben ans zur kletternden Person führende Seil - und der Sicherungsvorgang geht in die nächste Runde.

Es dauert zwar eine Zeitlang bis Einsteiger diesen komplexen Bewegungsablauf beherrschen. Einmal gelernt, bietet diese Methode aber die Gewähr, den Partner stets sicher im Griff zu haben.
Seil-Ausgeben

Beim Seil-Ausgeben zieht die Führungshand die notwendige Menge des zum Vorsteiger führenden Seils aus dem Karabiner während die Bremshand - den Mantel fest im Griff - das Seil in den Karabiner schiebt. Auch hierbei gelten die Prinzipien "Hände hoch" und "Daumen oben".
Dann tunnelt die Bremshand wieder nach oben, um die Führungshand mit dem Nachschub für die nächste Runde des Seilausgebens zu versorgen.
Ablassen

Um den Partner auf den Boden abzulassen, platzieren wir die Führungshand oberhalb der Bremshand am Bremsseil und lassen dieses kontrolliert durch beide Hände gleiten, so dass der Kletterer langsam dem Boden entgegenschwebt.
Vorsicht
- Darauf achten, dass das Bremsseil immer auf der dem Schnapper entgegen gesetzten Seite des Karabiners liegt! Damit verhindern wir, dass das Seil beim Sicherungsvorgang am Verschluss des Karabiners streift und ihn öffnet.
- Vor allem solche Kletterer, die das Sichern autodidaktisch gelernt haben, neigen dazu, das Bremsseil nicht immer und nicht vollständig zu umfassen. Oft ist zu beobachten, dass Leute beim Sichern das Seil bisweilen loslassen oder nur mit zwei Fingern "halten" - der berüchtigte "Pinzettengriff". Stürzt der Gesicherte in diesem Augenblick, ist die Katastrophe vorprogrammiert.
Falsche Haltung "Pinzettengriff"!!! 
Marietta meint:
Nach meiner Einschätzung ist die HMS die am einfachsten zu erlernende Sicherungsmethode. Sie wird auch von den meisten Anfängern sicher angewandt. Dazu kommt, dass die HMS relativ hohe Reibungswerte aufweist, weshalb sie deutlich weniger Krafteinsatz fordert als die Tube. Auch gibt es keine Phase im Sicherungsablauf, bei der die Bremswirkung des Systems außer Kraft gesetzt ist. Deshalb ist die HMS für mich eine empfehlenswerte Sicherungsmethode für Einsteiger. Wer von der Halbmastwurfsicherung auf ein anderes Gerät umsteigt, muss seine motorischen Muster gezielt umschulen

|